Frosty Leaf

Ich hatte an diesem frostigen Januar Morgen mit einem Fotografen Kollegen in der Belchen Region abgemacht. Meine Bildidee an diesem Morgen war etwas mit dem Mond  zu versuchen und stellte mir dabei eine Komposition mit Hügel, Felsvorsprung und Wald in der Dämmerung mit der Mondsichel vor. Doch liess ich mich dann an diesem Morgen von einer anderen Idee überreden – oder besser gesagt überzeugen. Also wanderten wir vor Sonnenaufgang auf den Ruchen zu einem markanten Felsvorsprung. Irgendwie hatte ich aber an diesem Morgen Mühe, mir eine überzeugende Komposition zu finden. Ich versuchte verschiedene Standpunkte, Perspektiven bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen aus, doch keine die mich wirklich fesselte. Langsam verdeckten die aufkommenden Wolken die Sonne komplett und das morgendliche Licht wurde flach und uninteressant und so entschlossen wir uns noch über den Ruchen zurück zu den Autos zu gehen. Als wir unten auf dem Chilchzimmersattel ankamen, hatten sich die Wolken teilweise wieder aufgelöst und die Sonne blinzelte ab und zu durch die Wolkenlücken hindurch, so entschied ich mich noch auf die andere Seite des Chilchzimmersattels Richtung Schattenbergweid zu gehen um mal zu schauen ob man vielleicht mit den Ankenballen noch was machen könnte. Das Licht wurde schnell wieder schlechter so entschied ich mich nach neuen Standpunkten für mein „Ankenballenbild mit Mond“ zu suchen. Als ich so den Hang hinunter lief, dann wieder hoch, den Standpunkt überprüfte, entdeckte ich direkt vor meinen Schuhen eine Bildidee. Auch das Licht schien in diesem Moment gerade geeignet für dieses Motiv zu sein. Nach ca. 5 Stunden Suche an diesem Morgen habe ich mein Bild gefunden. Woran lag es? Wieso brauchte ich so lange an einem schönen Wintermorgen mit gutem Licht bis ich eine überzeugende Aufnahme gefunden habe? Eine atemberaubende Landschaft im schönsten Licht macht alleine noch kein gutes Bild. Um von einer grossartigen Landschaft auch ein grossartiges Bild zu machen welches der Landschaft gerecht wird, braucht man ein geschultes Auge für Details. Jedes einzelne Element sollte in die Komposition passen. Irgendwie gelang mir dies an jenem Morgen nicht. Vielleicht suchte ich zu weit und war zu fest auf eine Bildidee fokussiert als mich von der Umgebung inspirieren zu lassen. Erst als mir etwas runterfiel und ich es wieder vom frostigen Boden aufheben wollte  erkannte ich „mein Bild“. Manchmal liegt das gute oder eben „das Bild“ vor seinen eigenen Füssen. Manchmal ist man auch auf das Grosse fixiert, dass man das Kleine vergisst oder übersieht! Überall und bei jeder Witterung ist irgendwo ein Motiv das wartet gefunden zu werden – man muss nur bereit sein es zu suchen und es auch zu sehen.Frosty Leaf
Technische Details: Nikon D700, 24-70mm/f2.8 Objektiv (@70mm), ISO 200, f 16, 1/10 Sekunde, Polarizer

Last Sunrise

Schon länger auf meiner „to-do-Liste“ waren die Grenchenberge. Obwohl diese nicht weit von unserem zu Hause sind, kam ich irgendwie nie dazu diese zu fotografieren. Letzten Herbst machten wir dann endlich mal einen Ausflug mit unserem neuen Familienmitglied, Cillie, ein afghanischer Windhund, auf die Grenchenberge. Leider konnte ich nicht ganz hochfahren, da ich Ende Oktober immer noch die Sommerreifen montiert hatte und die Strasse ab Stierenberg Schneebedeckt war. Dann Ende Dezember an einem sonnigen Winternachmittag entschieden wir uns nochmals mit Cillie auf den Grenchenberg zu gehen in der Hoffnung wir würden wenigstens dort noch Schnee vorfinden, da die sehr milden Temperaturen der letzten Tage bis über 1000 Meter den Schnee schmelzen liess. Vor wenigen Wochen hatten wir hier im Flachland noch gute 40cm Schnee und jetzt ist alles Grün und Braun (Anfangs Januar 2013).
Wir wurden nicht enttäuscht. Wir waren sogar überrascht noch so viel Schnee anzutreffen. Auf knapp 1400 Meter über Meer lagen sicher noch gut 40cm Schnee. Sehr zur Freude unseres Hundes, Cillie, welche verrückt nach Schnee ist.
Ich nutzte natürlich die Gelegenheit um die Gegend etwas auszukundschaften. Ich hatte schon länger diese Idee, die Wandfluh – diese dominante und eindrückliche Felswand – im Morgenlicht zu fotografieren. Idealerweise sollte die Nebelobergrenze nur ca. 100 Meter unterhalb der Wandfluh sein. Also suchte ich nun an diesem Nachmittag unter anderem auch noch einen idealen Standpunkt um die Wandfluh eindrücklich ins Bild zu bringen. Den genauen Standpunkt fand ich an diesem Nachmittag noch nicht, doch wusste ich ungefähr wo dieser sein würde.
Da sie für den Silvestermorgen schönes Wetter angekündigt haben, dachte ich, ich könnte doch gleich nochmals auf den Grenchenberg gehen. Also machte ich mich früh genug auf den Weg, damit ich rechtzeitig vor Ort einen idealen Standpunkt suchen konnte. Auch der Himmel sah an diesem morgen, wie angekündigt, vielversprechend aus. Gerade als ich meine Kamera aufgestellt hatte und mein Bildausschnitt gewählt hatte, begann sich der Himmel am Horizont zu färben. Nun, Nebel hatte es an diesem Morgen (leider)keinen, doch war das Licht schön. Der letzte Sonnenaufgang im 2012 bot ein schönes Farbenspiel….und lässt auf interessante Aufnahmemöglichkeiten von dieser Location hoffen.Last SunriseTechnische Details: Nikon D700, 70-200mm Objektiv (@125mm), ISO 320, f 9, 1/2 Sekunde

Solothurn im Winterkleid

Ein eher ungewohntes Bild präsentierte uns der Dezember 2012: Solothurn im Winterkleid.
Als ich Freitagnacht von Biel Richtung Solothurn nach Hause fuhr schneite es immer noch stark und die Fahrspur der Autobahn konnte man nur erahnen. Die Einfahrt zu unserem Haus war schon ca. 30cm Schneebedeckt. Am nächsten Morgen wollte ich nach Solothurn fotografieren gehen, denn so ein Anblick der Stadt Solothurn hat man nicht alle Jahre. Den Wecker stellte ich auf 4:30 Uhr da ich damit rechnete, dass wenn es so weiter schneit, ich zuerst mal mein Auto freischaufeln muss. So war es dann auch. Am Samstagmorgen hatte es gute 40cm Neuschnee. Kurz nach 6Uhr morgens war ich dann in der Stadt Solothurn am Aareufer und klapperte mal meine Standpunkte ab bevor ich mich für den Standort und Komposition meines Bildes entschied. Solothurn in dieser weissen Pracht zu sehen war schon ein tolles Erlebniss. Mehr Impressionen nun in der folgenden Bildserie.Solothurn im WinterkleidTechnische Details: Nikon D700, 24-70mm Objektiv (@26mm), ISO 160, f 11,                 15 Sekunden, Lee Big StopperSolothurnTechnische Details: Nikon D700, 24-70mm Objektiv (@24mm), ISO 320, f 11,                  3 Sekunden SolothurnTechnische Details: Nikon D700, 24-70mm Objektiv (@35mm), ISO 200, f 8,                  10 Sekunden SolothurnTechnische Details: Nikon D700, 24-70mm Objektiv (@24mm), ISO 200, f 13,                 15 Sekunden SolothurnTechnische Details: Nikon D700, 24-70mm Objektiv (@24mm), ISO 160, f 13,               1/4 Sekunde

Edith Falls

Auf dem Weg von Pine Creek zur Katherine Gorge( Nitmiluk Nat’l Park) liegt ein kleines Juwel: die Edith Falls mit seinen Wasserfällen und den „Pools“. Auch die Edith Falls gehören noch zum Nitmiluk Nat’l Park. Wir erreichten die Edith Falls im früheren Nachmittag, so hatten wir, nachdem wir unser Nachtlager aufgestellt hatten, noch genügend Zeit die Gegend etwas zu erkunden.
Danach genossen wir einfach die Ruhe am kleinen See und ich suchte schon mal nach interessanten Standorten für meine Aufnahmen im Abendlicht. Die Felsen leuchteten rot orange in der untergehenden Abendsonne: ein unbeschreiblich schönes Naturschauspiel. Im „Pool“ hatte es immer noch, trotz Krokodil Warnschilder, vereinzelt Touristen welche sich eine Abkühlung gönnten von der tropischen Hitze. Diese schwimmenden oder badenden Touristen waren die grösste Herausforderung für mich: das Licht ist jetzt perfekt, die Felsen scheinen im Licht der untergehenden Sonne zu brennen, meine Komposition steht und die Touristen sind in meinem Sucher zu sehen. Nicht gerade das was ich will. Also muss ich schnell handeln und mache eine paar alternativ Komposition wo ich die Touristen im Wasser nicht im Bild habe. Doch danach geht es wieder zurück und ich versuchte es nochmals mit meiner ursprünglichen Bildidee. Es hat schon weniger Menschen im Wasser – doch hat es immer noch ein paar beim Wasserfall. Doch die sind so klein auf dem Bild, dass ich mich entschloss das Bild jetzt zu machen bevor es dann zu spät ist und werde diese Touristen am PC wegretuschieren.
Da der Himmel wenig Dramatik zu bieten hatte, entschloss ich mich, ihn weg zu lassen oder nur ganz wenig Himmel im endgültigen Bildausschnitt zu zeigen, so dass er nur eine nebensächliche Rolle im Bild hat. Die Farben der Felsen spiegelten sich auf der Wasseroberfläche des kleinen Sees – was für ein fantastisches Farbenspiel.Edith Falls - Plunge Pool - Evening Light

Nebellicht (Im Auge des Fotografen)

Wer kennt das nicht! Man hat soeben sein Bild fertig „entwickelt“ und zeigt es einem Fotografen-Kollegen oder lädt es auf sein bevorzugte Fotografie-Forum hoch und das Bild wird „negativ“ kritisiert. Man zeigt es ja auch anderen um hoffentlich ein ehrliches Feedback zu kriegen und andere Meinungen zu dem betreffenden Bild zu hören. Wenn möglich mit Begründung und Anregung was der oder die andere anders gemacht hätte.
Doch oft genug bekommt man nur zu hören, dass die Farben nicht stimmen, das Bild nicht der Realität entspreche und es in „Natura“ nicht so aussehen würde. Jeder ist nur von seiner Ansicht der Realität überzeugt und versucht die anderen zu belehren wie es auszusehen hat. Wer darf den von sich aus Behaupten, dass nur seine Ansicht der Wirklichkeit entspricht!
In Wahrheit können auch beide Ansichten, die des Fotografen sowie die des Betrachters der Realität entsprechen. Die Realität, dass heisst die Wahrnehmung einer Stimmung ist bei jedem einzelnen anders. Sie liegt auch im Auge des Betrachters.
Um eine Szene so realistisch wie möglich und vorallem so wie ich sie erlebt habe, wiederzugeben, fotografiere ich seit Jahren nur noch im RAW-Format. Das bedeutet, ich übernehme die volle Kontrolle über jeden einzelnen Parameter  der Aufnahme. Dies erlaubt mir die Stimmung so zu zeigen wie ICH sie gesehen habe und überlasse die Kontrolle über Farbgebung, Sättigung, Weissabgleich und Tonwerte nicht einer „kopflosen“ Kamera oder Software. In Wahrheit geben Jpeg’s nie einen einzigen Parameter korrekt wieder.
Da aber jetzt jeder Mensch eine andere Wahrnehmung einer Szene hat, anders fühlt und jeder Parameter selber einstellt, würde jetzt auch ein Bild welches mit der gleichen Kamera, gleiches Objektiv zur gleichen Zeit, bei gleichem Licht sowie dieselbe Hardware und Software beim „postprocessing“ verschieden aussehen. Doch beide Bilder würden oder können sicher der Wirklichkeit entsprechen.
Vielleicht sollten wir darüber Nachdenken wenn wir das nächste Mal ein Bild von einem Kollegen kommentieren und kritisieren. Das einzige was doch wirklich wichtig ist, ist dass der Fotograf mit seiner Interpretation der Szene zufrieden ist und er die Stimmung so wiedergibt so wie er sie erlebt und gefühlt hat. Jeder Fotograf interpretiert eine Landschaft mit der gleichen Stimmung anders als der andere.Nebellicht
Technische Details: Nikon D700, 16-35 Objektiv (@35mm), ISO 200, f 11, 1/500 Sekunde, polarizer

 

 

 

 

Herbstmorgen auf der Gwidemfluh

Samstagmorgen 5.45 Uhr auf dem Chilchzimmersattel. Es ist ein typischer Novembermorgen im Baselbieter Jura. Unterhalb 800m liegt der Nebel, oberhalb der Nebeldecke ist ein Sternenklarer Nachthimmel. Das erste Mal diesen Herbst wo die Nebelobergrenze nahe an die von mir gewünschte Höhe kommt. Als ich auf der Passhöhe des Chilchzimmersattels aus dem Auto stieg war es zu meiner Überraschung ziemlich windig. Eigentlich war es relativ warm für diese Jahreszeit, doch mit dem Wind fühlte es sich frisch an. Ich schnürte schon mal meine Wanderschuhe und war froh als kurz darauf Adrian Wirz auch eintraf, damit wir uns auf den Weg zur Gwidemfluh machen konnten. Ich war zuvor noch nie auf der Gwidemfluh fotografieren, doch Adrian war schon dort und kannte auch diesen Teil der Belchen-Region sehr gut. Er kennt viele wenig bekannte Stellen und hat somit auch den eine oder anderen Geheimtipp. Es ist mir immer wieder eine Freude mit Ihm unterwegs zu sein, da er nicht nur viele unbekannte Stellen zum fotografieren kennt, sondern auch immer wieder was über die geschichtliche Vergangenheit der Belchen Region zu erzählen weiss. Die Gwidemfluh ist etwas weniger Hoch als die weitaus bekanntere Belchenfluh, doch persönlich finde ich sie als Standort für Landschaftfotografie nicht weniger interessant. Im Gegenteil, sie ist wilder und rauer und weniger erschlossen.
Wir entschlossen uns an diesem Morgen der etwas längere Weg auf die Gwidemfluh zu nehmen und nicht an der Felswand entlang hoch zu gehen. Nach meiner etwas unglücklichen und weniger erfreulichen Aktion am Abend zuvor am Ankenballen hatte ich meinen „Adrenalin-Kick“ für dieses Wochenende schon aufgebraucht. Auf dem Rückweg vom grossen Ankenballen zum Auto verirrte ich mich und stand schlussendlich in einer Felswand. Es war stockfinster, konnte kaum was erkennen und hatte keine Ahnung wo ich genau war. Also, so musste es nicht schon wieder am darauf folgenden Morgen sein, dass ich mich bei Dunkelheit in eine Felswand begebe. Als wir nach ca. 35 minütigen Wanderzeit auf der Gwidemfluh ankamen bot uns ein grandioser Ausblick aufs darunter liegende Nebelmeer. Es war zwar noch relativ dunkel, doch konnte man schon das Potential dieses Morgens erkennen. Wir kosteten diesen Standort an diesem Morgen gut aus und erst als das Licht zu grell wurde um noch ansprechende Bilder zu machen zogen wir weiter. Adrian hatte noch weitere Standorte auf Lager welche er mir gerne zeigen wollte….und in der Tat es hat einige sehr interessante Locations zu welchen ich bei entsprechender Wetterlage wieder aufsuchen werde.

Zum Bild: Irgendwie tat ich mich an diesem Morgen schwer für mich eine passende und ansprechende Komposition zu finden. Nach einer Weile kam mir plötzlich die Idee mich auf das absolute Minimum zu beschränken. Der Nebel kam über den Bornberg hinein und wirkte wie eine Riesenwelle auf mich. Also dachte ich „Hey, gehe Richtung Abstrakt“ und mache, dass die Nebeldecke wie ein fliessender Strom wirkt. Auch wollte ich wieder die Farbkontraste der blauen und gelb/roten Farbtönen nutzen und einen Kalt/Warm Kontrast erzeugen. Jetzt brauchte ich nur noch einen Fixpunkt in der Komposition und das war etwas schwieriger. Eigentlich hätte ich mir einen Hügel gewünscht, der etwas aus dem Nebel ragte, doch passte nichts in meine Komposition. So entschied ich mich für die Bergkette am Horizont. Dachte diese genüge um dem Bild einen fixen Punkt zu geben.Nebelwelle
Technische Details: Nikon D700, 70-200mm Objektiv (@150mm), ISO 200, f 11, 59 Sekunden

The Leafer

Im US-Bundestaat Colorado gibt es eine kleine Stadt mit dem Namen Marble. Die Umgebung von Marble ist mit einer beeindruckenden Landschaft gesegnet, welche besonders im Herbst wenn sich die Blätter färben von vielen Landschaftsfotografen besucht wird. Dann wird die Gegend um Marble richtiggehend von Fotografen überflutet. Die Einheimischen nennen diese Fotografen „The Leafers“ abgeleitet vom englischen Wort „leaf“ was auf Deutsch „Blatt“ heisst. Mir gefiel der Ausdruck „The Leafers“ schon als ich ihn das erste Mal hörte und dachte dies werde ich für einen Bildtitel nutzen. Ich denke mal, die meisten Landschaftsfotografen werden im Herbst zu „Leafers“. Im September bis November werde ich auch jedes Jahr wieder zum „Leafer“. Und ich bin gerne ein „Leafer“. Ja, ich bin richtiggehend süchtig nach Herbstfarben.
Doch der Herbst 2012 war mehr oder weniger enttäuschend, zumindest hier in der Schweiz.
Mit dem frühen Wintereinbruch von Ende Oktober wo es bis ins Flachland runter schneite, neigte sich der Herbst mit seiner Farbenpracht dann noch schnell dem Ende zu. Grund genug, mich, bevor der Herbst endgültig zu Ende ist und dem Winter Platz machen muss, noch einmal ein „Leafer“ zu sein. Da es in der Belchen-Region zwischen 20 und 30 cm Schnee gegeben hatte, wollte ich die Gelegenheit nutzen das Herbstkleid des Juras mit dem winterlichen Weiss zu fotografieren. Doch irgendwie war die Farbenpracht schon vorbei und ich fand keine Komposition welche mich überzeugte. Also wanderte ich mehr oder weniger Ziellos herum. In einem kleinen Waldstück etwas unterhalb des Belchens in der Nähe des Kloster Schönthals wurde ich dann fündig. Zwar war es nicht das, was ich suchte, doch ein paar farbige Ahornblätter welche auf der weissen Schneedecke lagen inspirierten mich regelrecht. Diese farbigen Herbstblätter im Kontrast zum weissen Schnee gaben ein tolles Motiv her. Das schwierige war jetzt nur noch eine dementsprechend schön weisse strukturierte Schneefläche zu finden mit den geeignetsten Blätter. Ich wollte ein Blatt mit verschiedenen Farben, doch die meisten Blätter waren entweder schon Braun oder nur gelblich, hatten keine schöne Form mehr oder waren sonst irgendwie ungeeignet für mein vorhaben. Es sollte ein Blatt mit Charakter sein. Ich versuchte verschiedene Komposition aus an verschiedenen Stellen. Einmal mit einem Blatt, ein anderes Mal mit einem Teppich aus Blättern……irgendwie war ich aber nie so recht zufrieden. Plötzlich sah ich diese drei Blätter nebeneinander liegen. Das eine war grün- gelblich gefärbt, das andere war gelb mit einem grünen Farbtupfer und das dritte war in einem dunkleren orange-roten Farbton. Drei Blätter mit unterschiedlichen Charakteren. Das eine hatte zudem noch gefrorene Eiskristalle auf der Blattoberfläche. Das einzige was ich nur noch machen musste, war, die Blätter etwas harmonischer zueinander zu platzieren und dann den Bildausschnitt zu wählen.
Für diese Aufnahme benutzte ich mein 70-200mm Objektiv. Ein Makro-Objektiv wäre hier auch gegangen, doch ich musste ja nicht Nahe ran. So konnte ich von einem komfortablen Abstand von meinem Stativ aus fotografieren.
Beim „Entwickeln“ in Lightroom und Photoshop musste ich hier vorallem mit der Sättigung behutsam umgehen. Wollte ich doch in den Blätter die Farben hervorheben, der Schnee sollte aber keinen Farbstich erhalten. Ich erhöhte den Kontrast in den Blätter noch etwas und entfernte Unsauberkeiten im Schnee.
Obwohl ich mit einer ganz anderen Bildidee zum Belchen fuhr, ist dies einer meiner absoluten Favoriten der letzten Zeit.The Leafer
Technische Details: Nikon D700, 70-200mm Objektiv (@125mm), ISO 200, f 13, 1/5 Sekunde, polarizer

Geduld zahlt sich aus

Es war Ende Oktober und die Wetterlage schien perfekt zu sein um Nebelstimmungen in der Belchen-Region zu fotografieren.
Ich packte gerade meine Ausrüstung in mein Auto und wollte losfahren als ich eine Nachricht von Adrian Wirz erhalte:“Jetzt ist wieder alles dicht! Die Ankenballen sind nicht sichtbar, der Nebel ist zu hoch. Ich gehe jetzt nach Hause!“
Als ich die Nachricht gelesen habe, war ich mir etwas unsicher ob ich jetzt trotzdem gehen soll oder nicht, doch entschied ich mich mal schauen zu gehen, da ich weiss, dass sich das Wetter wieder schnell ändern kann.
Ohne grosse Erwartung fuhr ich dann zu meinem Ausgangspunkt auf dem Chilchzimmersattel. Etwas unterhalb des Chilchzimmer’s liess ich dann der Nebel unter mir  und die Sonne erwartete mich. Ich schöpfte etwas Hoffnung und dachte vielleicht würde es doch noch Interessant werden heute Abend.
Die Nebelobergrenze schien ideal zu sein um den kleinen Ankenballen zu fotografieren, so machte ich mich auf den Weg Richtung Schattenbergweid. Da sich das Licht und somit auch die Nebelgrenze minütentlich wechseln können, rannte ich  beinahe schon zu meinem Standpunkt, welcher ich durch meine unzähligen Besuche ausfindig gemacht habe.
Dort angekommen, war schon ein andere Fotograf vor Ort. Die Stimmung, die Dramatik, das Licht und das Motiv – alles war in diesem Moment stimmig.
Ein paar Minuten später senkte sich der Nebel und zog sich stark zurück. Alles schien schon vorbei zu sein. Der andere Fotograf packte seine Sachen zusammen und meinte „So das war’s. Das Licht ist nicht mehr gut und wird nicht mehr besser und der Nebel hat sich gesenkt! Heute gibt es keine guten Bilder mehr.“
Ich wechselte noch ein paar Worte mit Ihm, dann war ich alleine.
Während ich auf interessantes Licht wartete und darauf hoffte, dass der Nebel wieder anstieg, suchte ich nach einer etwas anderen Bildkomposition.
Als ich schon dachte, dass es heute tatsächlich nichts mehr gebe, ging es plötzlich schnell.
Die Sonne stand schon sehr tief, der Himmel färbte sich durch den Dunst gelb-rot und der Nebel stieg wieder an und schlich das Tal hinauf und liess die höheren Hügel als Inseln erscheinen. Alle Bestandteile fanden sich im richtigen Moment zusammen. Es war wie Zauber, wie Magie!
So eine Stimmung und so ein Moment erlebt man selbst als Fotograf nicht alle Tage. Doch für mich bewahrheitete sich wieder einmal, dass sich Geduld und Durchhaltewille irgendwann bezahlt macht!Mystischer JuraTechnische Details: Nikon D700, 70-200mm Objektiv (@175mm), ISO 200, f 9, 1/50 Sekunde, ND Grad Filter 0.6 Soft

White Balance (Weissabgleich)

Um einem Bild die richtige oder passende Stimmung zu geben muss man den Weissabgleich richtig eingestellt haben. Der Weissabgleich unterscheidet sich im wesentlichen darin wie „warm“ oder „kalt“ das Licht ist und wieviel Grün oder Magenta es enthält. Die Farbtemperatur welche in Kelvin gemessen wird, bezieht sich auf die Wärme oder Kälte einer Lichtquelle. Je geringer die Zahl der Farbtemperatur ist, desto wärmer ist das Licht. Neutrales Tageslicht hat ungefähr eine Farbtemperatur von 5500 Kelvin.
Das menschliche Auge hat da gegenüber der digitalen Kameras einen grossen Vorteil: es gewöhnt sich sehr schnell an die jeweilige Lichtsituation und sieht dementsprechend einen weissen Gegenstand immer als weiss. Damit eine digitale Kamera die Lichtsituation korrekt wiedergeben kann, muss somit der Weissabgleich richtig eingestellt werden. Dies geschieht entweder direkt in der Kamera vor der Aufnahme indem man den Weissabgleich entsprechend der Lichtsituation einstellt oder in der Bildnachbearbeitung. Ich persönlich bevorzuge den Weissabgleich im RAW-Konverter einzustellen. Dazu muss man aber in der RAW-Einstellung fotografieren. Ich würde sowieso empfehlen immer im RAW-Format zu fotografieren. Das RAW Format bietet eine grosse Flexibilität und lässt einem viel Spielraum.
somit ist der Weissabgleich-Regler im RAW Konverter ein wichtiges Werkzeug im „Post-Processing Workflow“. In der Landschaftsfotografie benutzt man den Weissabgleich nicht nur für die Farbgenauigkeit, nein, man kann diesen ebenfalls nutzen um die Stimmung und die Atmosphäre eines Bildes zu verstärken. Zu Zeiten der Analog-Fotografie verwendete man dementsprechendes Filmmaterial und warme oder kalte Farbkorrekturfilter um die gleichen Effekte zu erzielen. So benutzte man zum Beispiel warme Farbkorrekturfilter um die schönen, warmen Farben eines Sonnenaufgangs zu verstärken. Diese Filter haben heute an Bedeutung verloren, dennoch kann es heute immer noch Sinn machen diese Filter zu verwenden. Ich für mich verwende zur Zeit keine Farbkorrekturfilter, nutze aber den Weissabgleich um einem Bild die entsprechende Stimmung und Atmosphäre zu geben. Der Weissabgleich-Regler ist für mich ein wichtiges Instrument um dem Betrachter mein Gefühl von diesem speziellen Moment zu vermitteln. Somit wird der Weissabgleich-Regler viel mehr als bloss ein Instrument für die Farbgenauigkeit. Er ist kreatives Hilfsmittel bei der Bildnachbearbeitung. Wer jetzt den Weissabgleich an der Kamera einstellt und in Jpeg fotografiert limitiert sich in gewisser Weise selber indem er die „Kreativität“ der Kamerahersteller überlässt. Habt Mut und experimentiert mit dem Weissabgleich und nutzt ihn zu eurer Gunst.

Für diesen Blog-Artikel habe ich ein Bild ausgewählt welches ich an einem November-morgen von der Gwidemfluh aus gemacht habe. Die Nebelobergrenze wechselte sich ständig und es war ein wunderschönes Licht und Farbenspiel welches sich die Sonne und der Nebel lieferten.
Technische Details: Nikon D700, 70-200mm Objektiv (@135mm), ISO 100, f 11, 1/320 Sekunde

First Dawn

Wünsche allen ein gutes neues Jahr!
Dies ist mein erstes Bild im 2013. Als ich unterwegs war zum Burgäschisee waren andere erst auf dem Weg nach Hause von der Silvesterfeier.
Die Wettervorhersage für den Neujahrstag war nicht so gut, so dachte ich mir, es könnte noch einen dramatischen Himmel zum Start ins neue Jahr geben. So machte ich mich um 6.30 Uhr auf den Weg zum Burgäschisee (Kanton Solothurn, Schweiz).
So war es dann auch. Der Himmel über dem See war schon Wolkenverhangen, doch am Horizont konnte das erste Sonnenlicht des Tages durchschimmern und somit den Himmel rot/orange leuchten lassen. Durch meine unzählige Besuche an diesem See, wusste ich auch schon genau wo der ideale Platz im Winter für den Sonnenaufgang ist und wie ich mein Bild gestalten wollte. Was für ein überwältigendes Gefühl so das neue Jahr willkommen zu heissen.
Technische Details: Nikon D700, 24-70mm Objektiv (@27mm), ISO 200, f 11, 2.5 Sekunde,  ND Grad Filter 0.6 Hard & ND Grad Filter 0.6 Soft